Das Internet hat Alles verändert. Billigflüge haben Alles verändert. Und dann hat das Smartphone noch einmal Alles verändert.

Mit diesen drei wesentlichen Entwicklungen der letzten 20 Jahre kann so ziemlich jede Veränderung in der Welt des Reisens erklärt werden. Informationen, die wir jederzeit unterwegs einholen können, so viele Reiseziele, die jetzt so leicht erreicht werden können und Hotelbuchungsportale, die kein Risiko mehr zulassen. All das ist diesen drei großen Veränderungen zu verdanken.

Mann kann sich gar nicht mehr vorstellen, wie das früher war. Informationen, wie man am besten nach Chiang Mai oder zu den Terra-Kotta-Soldaten in China gelangt, erhielt man von anderen Reisenden oder aus den wenigen Reiseführer. Aus dem Bus aussteigen und erstmal mit dem Rucksack auf dem Rücken auf die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit machen? Mühsam und manchmal auch unerfreulich, wenn das Guesthouse nicht so toll war. Einmal im Monat eine Postkarte schicken oder einen Brief per Poste Restante erhalten und sonst keinen Kontakt mit Zuhause. Sogar Rauchen im Flugzeug war erlaubt.

Die meisten dieser Fortschritte sind gut für Reisende. Die Welt war noch nie günstiger und einfacher zu erkunden. Es gab noch nie so viele Gadgets und Accessoires, die unser Leben unterwegs erleichtern. Es gab noch nie so viele Ressourcen, um das perfekte Erlebnis zu recherchieren. Aber ist damit nicht auch etwas von dem Abenteuer auf der Strecke geblieben?

Hier die Dinge, die viele junge Reisende gar nicht mehr kennen:

1 Poste Restante

Das war ein Service, den Postämter auf der ganzen Welt anboten. Man konnte sich schweres Gepäck „postlagernd“ voraus schicken oder Post von Zuhause empfangen, obwohl man die ganze Zeit unterwegs war. Diese Briefe waren dann allerdings schon eine Weile unterwegs, weil man ja auch gar nicht wusste, wann genau man in Bangkok, Yogyakarta oder Singapore ankommen würde und wie lange der Brief unterwegs sein würde. Natürlich per Luftpost mit dem blau-rot-weißen Rand. Das konnte dann auch mal recht enttäuschend sein, wenn noch nichts angekommen war.

2 Traveller Schecks

American Express Traveller Check
Quelle: Wikipedia

War das ein Stress! Ständig daran denken, wo ich den nächsten Scheck einlösen kann. Dazu die sichere Aufbewahrung. Und dann gab es keine Möglichkeit mal eben schnell zum ATM zu fahren und Geld zu ziehen. Keine schnelle Überprüfung des Betrags auf meinem Konto.  Stattdessen musste ich eine Bank oder Wechselstube finden, die mir Bargeld für meinen American-Express-Scheck über 100 US-Dollar gibt. Heute gibt es bequeme Reisekreditkarten.

3 Filme in Dosen

Kodak Film
Quelle: Pixabay

Bei jedem Foto nachdenken. Wie ist das Licht? Ist die Blendeneinstellung richtig? Lohnt es sich überhaupt, diese Szene zu erfassen? Habe ich noch genügend Filme dabei? Das Einlegen der Filme in die Kamera war diffizil. Vor allem, wenn ich mitten im Dschungel stand und mir der Schweiß von der Stirn tropfte. Die belichteten aber noch nicht entwickelten Filme mussten auf dem Flughafen vor den schädlichen Röntgenstrahlen geschützt werden. Und erst zuhause sah man, ob das Foto überhaupt gelungen war. Ich kam nach sechs Wochen mit sechs belichteten Filmen zurück. Das waren 216 Bilder, von denen ich mindestens die Hälfte aussortierte. Für die …

4 Dia-Abende

Egal, ob sie wollten oder nicht. Alle Verwandten und Freunde mussten Foto für Foto ALLE Dias anschauen. Das konnte schon mal dauern und löste bei dem einen oder der anderen Gähn-Attacken aus. Meist aber konnte ich durch exotische Früchte oder Motive die Zuschauer bei Laune halten.

5 Internetcafés

Ein neues Phänomen, das bereits veraltet ist. Es gab einen Zeitraum von etwa 10 Jahren, in dem wir auf Reisen Internetcafés nutzten. Anfangs konnte Einloggen schon mal schwierig sein und ein Foto verschicken wurde zur Geduldsprobe. Insbesondere, wenn die Reisebegleiterin gar nicht verstand, warum man jetzt unbedingt ein Mail verschicken musste.

Ich erinnere mich an ein mit mindestens 10 Leuten vollbesetztes Internet-Café in Luang Prabang, in dem ein Österreicher mit seiner Freundin zuhause skypte. Das war damals recht neu und unter deutschsprachigen Reisenden noch nicht so verbreitet. Entsprechend sicher fühlte er sich und versprach seiner Freundin ausführlich heiße Liebesnächte, wenn er zurückkäme. Auf Deutsch. Ich war der einzige im Raum, der es verstand und wünschte ihm beim Hinausgehen viel Spaß.

6 Flugtickets in Papierform

Da hatte man noch was in der Hand, was man am Check-in-Schalter vorlegen konnte. Aber das Format war echt lästig und passte nie so recht in den Bauchgürtel. Der Verlust des Tickets war der Verlust des Rückflugs.

Austrian Airlines Ticket
Quelle: Die Presse

7 Taschenlampen

Die meisten Leute hatten eine Taschenlampe dabei für den Fall, dass der Strom in Ihrem Hotel ausfiel oder um im Hostel das Bett zu finden, wenn es mal spät geworden war. Auch für die Erkundung von Höhlen war das hilfreich. Natürlich mussten dann auch Ersatzbatterien mit.

8 Musik auf Datenträgern

Für die längste Zeit war Musik nicht tragbar, es sei denn, man hatte eine Gitarre oder ähnliches dabei. Man konnte ja schlecht einen Plattenspieler mitnehmen. Und dann kam der Walkman. Ich erinnere mich noch genau, wie ich mir damals in Singapore einen Sony-Walkman gekauft habe und ein paar Platten auf Kassetten kopieren ließ. „War“ von U2 war dabei. Da hatte ich dann plötzlich „Sundy Bloody Sunday“ im Ohr, wenn ich durch die Hochhäuserschluchten lief.

9 Fernschreiber / Telegramm

Fernschreiber - Telegraph
Quelle: Pixabay

Als ich Mitte der 80er in Nairobi war, gab es einen Notfall. Meine Eltern meinten, ich müsse unbedingt nach Hause kommen. Wir ließen uns jeweils im Postamt stehend kurze Nachrichten hin und her schreiben. Der Beamte vor mir tippte meine Texte in eine Art Schreibmaschine ein und ich bezahlte pro Wort. Daher der Begriff „Telegrammstil“.

10 Landkarten

Das waren diese großen Papierdinger, die so schwer zu falten waren, einem aber einen guten Überblick über die Gegend gab, in der man sich befand. Ich hatte auf meinem 6-Monate-Trip durch Südostasien unter anderem eine von der ganzen Region dabei und habe mir meine Route eingezeichnet. Die habe ich heute noch in einer Art Schatzkiste. Klar ist Google Maps und Co super, aber die Größe und Übersicht fehlt mir manchmal.


Die beste Reisekreditkarte

die beste Reisekreditkarte - Santander

11 Der eine Film im Flugzeug

Da saß ich im Flugzeug und war super gespannt. Es war das erste Mal, dass es auf meinem Flug einen Film zu sehen gab. Auf großen Monitoren, die runtergeklappt wurden. Ich saß nicht allzu weit davon entfernt. Und dann nach den ersten Szenen kam die Enttäuschung. Langweilig. Also doch das Buch rausholen und …

12 Rauchen im Flugzeug

Unvorstellbar! Aber wahr. Es gab eine Unterteilung in Raucher und Nichtraucher. Ohne Trennwand. Die armen Nichtraucher in den Reihen nahe bei den Rauchern. Gab es damals schon Direktflüge nach Asien? Ich glaube nicht. Meine osteuropäischen Billigfluglinien machten Zwischenstopp in Indien. Als Raucher freute ich mich natürlich über die Möglichkeit.  

Rauchen im Flugzeug
Quelle: Pixabay

13 Reiseführer

Okay, ich weiß, jetzt übertreibe ich. Klar gibt es die noch. Aber wenn ich die vielen einfachen und manchmal sogar dümmlichen Fragen in den Facebook-Gruppen sehe, könnte man meinen, keiner macht sich mehr die Mühe in einem dicken Buch Anregungen zu finden.

Ich bin damals hauptsächlich mit dem Loose gereist. Den gibt es heute noch in Orange.


Zu diesem Artikel inspiriert hat mich „How travel has changed“ von Ben Groundwater, der auf Englisch das Thema aus australischer Sicht und weit umfangreicher beleuchtet.